Die Diskussion über ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter geht daher aus Sicht der AK Oberösterreich an der Realität vorbei.
„Anstatt das Pensionsalter zu erhöhen, müssen Unternehmen in die Pflicht genommen werden, ältere Menschen zu beschäftigen“,
sagt AK-Präsident Andreas Stangl.
Zu wenige Betriebe geben älteren Arbeitnehmer:innen eine Chance
Aktuelle Zahlen des AMS zeigen: Im Juli 2026 waren rund 26.300 Menschen ab 60 Jahren in Österreich arbeitslos. Bemerkenswert ist die Entwicklung bei Frauen aufgrund der schrittweisen Anhebung des Regelpensionsalters. So stieg bundesweit die Arbeitslosigkeit der 61-jährigen Frauen innerhalb eines Jahres um fast 3.000 Personen bzw. plus 356 Prozent an. Wirtschaftsvertreter:innen fordern regelmäßig eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters und klagen über zu wenige Arbeitskräfte. Gleichzeitig geben zu wenige Betriebe älteren Arbeitnehmer:innen eine Chance. Das zeigt insbesondere die steigende Arbeitslosigkeit von Frauen.
4 von 10 beschäftigen keinen über 60 Jahre
Eine Auswertung der AK Oberösterreich zeigt zusätzlich, dass rund 41 Prozent der Betriebe in Oberösterreich mit mehr als vier Mitarbeiter:innen keine einzige Person über 60 Jahren beschäftigen. Studien des AMS oder auch des Stellenportals Stepstone zeigen weiter, dass ältere Arbeitnehmer:innen bei gleicher Qualifikation viel seltener eingestellt oder überhaupt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden.
52 Jahre im Berufsleben? Nein danke!
Das gesetzliche Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre anzuheben würde die Lebensarbeitszeit deutlich verlängern, jedoch die unterschiedlichen Arbeitsbelastungen dabei nur unzureichend berücksichtigen. Wer mit 15 Jahren zu arbeiten beginnt, käme dabei auf 52 Arbeitsjahre im Berufsleben. Besonders für Menschen in körperlich belastenden Berufen und in der Schwerarbeit ist das eine unfaire Perspektive. Statt das Pensionsalter pauschal anzuheben, braucht es Lösungen, die lange und belastende Arbeitsleben berücksichtigen.
Mehr Fairness gegenüber Beschäftigten
Für mehr Fairness für ältere Arbeitnehmer:innen fordert die AK Oberösterreich:
- Die beste Pensionspolitik ist eine gute Arbeitsmarktpolitik, die Vollbeschäftigung zum Ziel hat. Hier müssen die Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Sie dürfen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen. Um für Vollbeschäftigung zu sorgen, braucht es auch ein ausreichendes AMS-Budget. Für eine nachhaltige Pensionssicherung ist Beschäftigung zentral.
- Arbeitsplätze müssen so gestaltet werden, dass alle Beschäftigten gesund das reguläre Pensionsantrittsalter von 65 Jahren erreichen können.
- Nein zur Erhöhung des Pensionsantrittsalters: Ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter bedeutet oftmals Pensionskürzungen


